Dortmunder „Wehrsportgruppe"zerschlagen - Prozeß begann

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1981

19. November 1981

Dortmund -19.11.81
Angeklagte geständig - Überfälle und Waffenschmuggel begangen
Dortmunder „Wehrsportgruppe"
zerschlagen - Prozeß begann

Umfassende Geständnisse über Ihre Tätigkeit in der „Wehrsportgruppe" des Dortmunder Datentechnikers Udo Albrecht (41) haben dessen Gesinnungsgenossen gestern Kleve abgelegt. Vor dem dortigen Landgericht begann der Prozeß gegen die jetzt zerschlagene paramilitärische Organisation aus dem Revier. Der aus Dortmund stammende ehemalige Bauzeichner Joachim Gröning (25) und der Bochumer Elektromonteur Franz-Karl Kohnert (27) gaben zu, sich an mehreren Banküberfällen und an Waffenbeschaffungs - Aktionen beteiligt zu haben. Das erbeutete Geld floß nach Vermutungen der Behörden auf das Konto des vor wenigen Tagen festgenommenen „Wehrsportgruppen" - Führers Karl-Heinz Hoffmann.

Während sich Gröning, der NPD-Mitglied ist und von 1975 . 1979 Dortmunder Kreisvorsitzender der Jugendorganisation dieser Partei war, wegen Beteiligung an den Banküberfällen, Kraftfahrzeugdiebstählen, Verstöße gegen das Kriegswaffen - Kontrollgesetz und illegalem Waffenbesitz verantworten muß, wirft die Staatsanwaltschaft Kohnert die Beteiligung an Pkw - Diebstahlen und illegale Waffeneinfuhr vor. Kohnert, von Albrecht für mehrere Fahrzeugtransporte in den Libanon angewor- ben, erklärte, selbst nie politisch aktiv gewesen zu sein.

Behörden: „Neue Bedrohung durch Rechtsextremismus"

Bereits verurteilt wegen eines Banküberfalls auf die Volksbank - Filiale am Bochumer Schlachthof ist ein weiteres Mitgliedder "Wehrsportgruppe Albrecht" Helmut Kimpowski (28) aus Bochum. Er verweigerte als Zeuge gestern jede Auskunft und erhielt dafür eine Ordnungsstrafe von 800 DM.

Morgen wird Udo Albrecht selbst in den Zeugenstand treten. Nach seinem Teil-Geständnis waren, wie berichtet, Waffen und Mulition in einem Garten in Dortmund - Berghofen gefunden worden.

Ähnlich wie die "Wehsportgruppe Hoffmann" soll auch die der aus dem Ruhrgebiet stammenden Neonazis Kontakte zum Nahen Osten unterhalten haben. Die Behörden gehen nach den neuesten Ermittlungen gegen Hoffmann und Albrecht von einer akuten Bedrohung der inneren Sicherheit durch Rechtsextremisten aus. So sollen immer noch junge Mitglieder neofaschistischer "Wehrsportgruppen" als Schüler der Palästinensischen Befreiungsorgansisation (PLO) und der Al Fatah für Anschläge in der Bundesrepublik ausgebildet werden. Als akut bedroht gelten danach offizielle israelische und private jüdische Einrichtungen in der Bundesrepublik sowie hier lebende jüdische Mitbürger.

Hoffmann und seine „Wehrsportgruppe" hatten in letzter Zeit einen schwunghaften Handel mit ausgemusterten Militär-Lastwagen zwischen der Bundesrepublik und dem Libanon eröffnet. Häufig flog Hoffmann nach Beirut, um die Kontakte zur PLO zu pflegen. Bei einem dieser Flüge wurde er in Frankfurt verhaft. Einer seiner ehemaligen Getreuen, der 23 - jährige Odfried Hepp aus Achern in der Nahe von Offenburg, soll inzwischen ausgesagt haben, Hoffmann habe in einem Al - Fatah - Lager den Erlanger Doppelmord an dem jüdischen Verleger Levin und seiner " Lebensgefährtin Frieda Pöschke Dezember 1980 als „saubere Arbeit gefeiert. Inzwischen bestätigte die Staatsanwaltschaft Nürnberg - Fürth, daß die „Wehrsportgruppe" auch einen Anschlag auf einen Nürnberger Staatsanwalt plante. Jener Staatsanwalt habe sich allzu intensiv um die paramilitärische Organisation gekümmert.
Quelle: WR 19.11.81