Andrej Hermlin

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Andrej Hermlin (* 21. September 1965 in Berlin)
ist ein deutscher Pianist, Bandleader
und ehemaliger Politiker (PDS, Die Linke).

2025

15. Dezember 2025

21:37
Die Linke und der Antisemitismus. Interview mit Andrej Hermlin
Bundesstiftung Aufarbeitung Brand
8740 Abonnenten
Premiere am 15.12.2025 BEZIRK PANKOW
https://www.youtube.com/watch?v=bZKPuVdmhqs
4.249 Aufrufe
War die DDR für Juden das „bessere Deutschland“ –
oder war diese Frage schon falsch gestellt?
Der Musiker Andrej Hermlin
antwortet im Gespräch mit einem nüchternen Befund:
In beiden deutschen Staaten
habe es Erfahrungen gegeben,
die jüdisches Leben belasteten,
wenn auch auf unterschiedliche Weise.
In der Bundesrepublik seien Überlebende nach 1945
einer Gesellschaft begegnet,
in der alte Kontinuitäten fortwirkten –
bis hin zu Richtern und Nachbarn aus der NS-Zeit.
In der DDR hingegen habe jüdisches Leben im öffentlichen Raum kaum stattgefunden;
über Juden sei wenig gesprochen worden,
während Israel in der staatlichen Sprache regelmäßig als „imperialistisch“ markiert wurde.
Hermlin beschreibt diese Mischung
aus Unsichtbarkeit und ideologischer Zuschreibung
und illustriert sie mit Erinnerungen an Vorfälle,
Reaktionen der Behörden
und an offene Beschimpfungen,
die auch im Alltag der DDR möglich waren.

Von dort führt das Gespräch in die Zeit nach 1990.
Hermlin legt dar, warum er den Begriff „Antizionismus“ für eine Ausweichformel hält:
Wer Israel das Existenzrecht bestreite
oder den jüdischen Staat grundsätzlich delegitimiere,
ziele am Ende auf Juden.
Anhand eigener Wahrnehmungen schildert er,
wie er das Auftreten entsprechender Haltungen in der PDS
und später in der Linkspartei bewertet –
zwischen Lippenbekenntnissen, innerparteilichen Abwägungen
und einer politischen Sprache, die sich aus seiner Sicht zunehmend radikalisiert hat.
Zugleich warnt er vor bequemen Zuschreibungen,
die Antisemitismus
stets nur bei den „anderen“ verorten:
Nicht eine einzelne Partei,
sondern die Gesellschaft insgesamt
habe ein Problem,
solange jede Seite
die Verantwortung weiterschiebe.

Das Interview verbindet Zeitgeschichte und Gegenwartsdiagnose:
Es zeigt, wie unterschiedliche Traditionslinien aus der Teilung fortwirken können,
wie rasch sich alte Muster in neuer Sprache tarnen –
und warum Antisemitismus in Deutschland
nicht als Randthema behandelt werden kann.
Hermlins Schlusspunkt ist politisch, aber auch normativ:
Jede linke Utopie, so seine Forderung,
müsse sich vom Stalinismus
und von jeder Form der Menschenunterdrückung lösen –
und sie müsse unmissverständlich klar machen,
dass Sozialismus und Antisemitismus unvereinbar sind.

13. Mai 2025

Ilko-Sascha Kowalczuk
https://www.facebook.com/ilkosascha.kowalczuk/posts/pfbid0sbVSLVnCrbbif3e6vBTnNxg7ENYPgpvp7CA3ZcN99MuT6eg8cdesPuGrpoxCzfgGl
"Einer, der wegen des aus seiner Sicht
zu toleranten Umgangs der Linken mit Judenhass die Partei verlassen hat,
ist der bekannte Berliner Swing-Musiker Andrej Hermlin.
Aufgewachsen in Ost-Berlin
in einer kritischen sozialistischen Familie
mit jüdischen Wurzeln –
sein Vater war der bekannte Schriftsteller Stephan Hermlin,
seine Mutter stammte aus der Sowjetunion –
mischt sich der Pianist bis heute in politische Debatten ein.
1990 war Hermlin in die damalige PDS eingetreten,
die später zur Linken wurde,
und ist vor eineinhalb Jahren ausgetreten.
Im Checkpoint-Interview rechnet der 59-Jährige nun mit seiner ehemaligen Partei ab.
Herr Hermlin, wie haben Sie den Parteitag der Linken verfolgt?
Ich bin ja kein Mitglied der Partei mehr,
deshalb habe ich den Parteitag nur aus der Ferne in der Presse verfolgt.
Für mich ist der dort gefasste Antisemitismus-Beschluss eine Zäsur.
Ich hätte nicht gedacht,
dass es nach dem Beschluss des Parteivorstands vom Oktober 2023,
der mich damals zum Austritt aus der Partei nach immerhin 33 Jahren bewogen hat,
noch schlimmer werden könnte.
Israelhass ist an diesem Wochenende von einer Mehrheit der Delegierten des Parteitags legitimiert worden.
Judenfeindschaft ist damit – allen gegenteiligen Bekundungen zum Trotz –
zu einem organischen Bestandteil dieser Partei geworden.
Grund der Debatte ist die Änderung der Antisemitismus-Definition,
auf die sich die Partei beruft,
um mehr Kritik an Israel zu ermöglichen.
Ist es wirklich verwerflich,
die Kriegsführung von Israel gegen die Hamas klar zu kritisieren?
Mehr Kritik?
Die Kritiker Israels
haben in der deutschen Öffentlichkeit sehr viel Raum:
in den Universitäten, in der Presse, auf den Bühnen der Theater, bei fast jeder Preisverleihung.
Dagegen haben die Verteidiger Israels
kaum noch Raum in der Öffentlichkeit.
Kritik an Israels Regierung oder seiner Kriegsführung ist legitim,
aber hier passiert etwas ganz anderes:
Israel wird als Staat delegitimiert.
Die Antisemitismus-Definition,
auf die sich die Linke nun beruft,
ist ja keine wissenschaftliche,
sondern eine politische.
Wenn darin behauptet wird, die Israel-Boykottbewegung BDS sei nicht antisemitisch oder wenn darin eine Ein-Staat-Lösung im Nahen Osten als akzeptabel angesehen wird,
dann rüttelt man wissentlich am Existenzrecht Israels.
Das ist so schwerwiegend,
dass die Partei damit
den Kanon der anständigen Parteien verlassen hat.
Politisch ist die Linke wieder zurück im Bundestag und hat hier auch geholfen,
Mehrheiten gegen die AfD zu sichern.
Sehen Sie darin nicht auch eine Chance?
Wir reden andauernd über die AfD,
aber nicht darüber, was sie stark gemacht hat.
Die Demokraten haben darin versagt, diesem Land einen Sinn zu geben,
mit der Bevölkerung
über ihre Ängste und Zweifel zu sprechen. Aufgrund meiner Herkunft
fühle ich mich nicht nur bedroht von der AfD,
sondern ebenso von arabischen Schreihälsen auf der Sonnenallee oder von Studenten,
die Bluthände an die Wände unserer Universitäten schmieren und damit das Leben jüdischer Menschen in unserem Land gefährden. Mir dreht sich der Magen um bei dem Gedanken, dass die Linke dies nun offensichtlich toleriert
und allen Bekenntnissen zum Trotz
der Propaganda der Hamas nachläuft.
Aus der Berliner Linken sind neben Ihnen profilierte Politiker wie Klaus Lederer und Sören Benn ausgetreten.
Ist eine progressive Linke überhaupt noch möglich?
Meine ehemalige Partei ist dazu offenbar nicht in der Lage. Viele junge Leute sind zuletzt in die Partei eingetreten,
die sich für links halten,
aber mit Israelhass groß geworden sind.
Sie sind vergiftet durch die Agitatoren auf Instagram und Tiktok, denen sie vertrauen, ihnen fehlt oft historisches Wissen.
Sonst wüssten sie, dass die reaktionäre Hamas und das iranische Regime, das diese Banditen fördert,
seit jeher für nichts anders stehen als für die Unterdrückung von Frauen
und die Verfolgung von Homosexuellen, also für Mord und Terror.
Dass sich in Deutschland
angeblich progressive Kräfte mit islamofaschistischen Kräften im Nahen Osten zusammentun,
anstatt ihnen entgegenzutreten,
ist eine der niederschmetterndsten
und ekelhaftesten Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit.
So hat die Linke keine Zukunft."
(Quelle: Tagesspiegel Checkpoint Kurzstrecke, 13.5.25) Andrej Hermlin

11. Mai 2025

Meinung
Die Linkspartei, ihr Bundesparteitag
und der Abschied vom Eintreten gegen Judenhass
Wer sich als vorgeblich sozialistische Partei mit einer Bewegung solidarisiert,
die Frauen steinigt, Homosexuelle verbrennt
und den Judenmord
als oberstes Ziel ihrer Bemühungen proklamiert,
hat keine Ehre.
Ein Kommentar von Andrej Hermlin
von Andrej Hermlin 11.05.2025 15:13 Uhr
https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/die-linkspartei-ihr-bundesparteitag-und-der-abschied-vom-eintreten-gegen-judenhass/

2023

9. November 2023

Andrej Hermlin:
„Ich laufe durch mein Haus und frage mich, wie lange noch“
Der Musiker Andrej Hermlin hat ostdeutsch-jüdische Wurzeln.
Aus der Linkspartei ist er vor kurzem ausgetreten.
Ein Gespräch über den Osten, Antisemitismus und die Hamas.
Thomas Fasbender
09.11.2023 | aktualisiert am 09.11.2023 - 20:23 Uhr
mit Bezahlschranke:
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/berlin-musiker-andrej-hermlin-interview-ueber-den-osten-israel-und-antisemitismus-ich-frage-mich-wie-lange-noch-li.2156817
OHNE BEZAHLSCHRANKE:
https://archive.ph/OIhwU

Andrej Hermlin online:

instagram:

https://www.instagram.com/andrej_hermlin/